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06/09: Glücks-Mail:Das Wir-Gefühl leben!

Miteinander statt gegeneinander in der Beziehung :)
Kennt Ihr das auch? In der Verliebtheitsphase, wenn man seinen Partner frisch kennen gelernt hat, passt einfach alles. Sein Lächeln, seine Nähe, seine Berührung... Man ist zusammen glücklich und beschließt deshalb, eine Partnerschaft zu gründen.

Denn so schön darf es ruhig für immer bleiben!
Man ist sich also sicher: Das ist der/die Richtige!
Doch was passiert dann: Kaum hat man sich entschieden, zusammen bleiben zu wollen, und zwar endgültig, kommt schon der erste Zweifel: „Kann ich so, wie mein Partner ist, wirklich den Rest meines Lebens mit ihm glücklich sein? Was ist mit seinen Eigenarten, z.B. ihrer Unpünktlichkeit, seiner Verschlossenheit, wenn ihn etwas beschäftigt, und all den anderen Kleinigkeiten? Wie soll das denn auf Dauer funktionieren?“
Komischerweise geht das schöne Verliebtheitsgefühl dabei etwas verloren. Es ist irgendwie schwächer geworden!

Doch wie kommt das? Ganz einfach: Man hat aufgehört, all die wundervollen Eigenschaften seines Schatzis zu bemerken , die unser schönes Verliebtheitsgefühl ständig aufrecht erhalten haben, und hat stattdessen begonnen, seine neu gewonnene Beziehung zu sichern. Denn: „Wenn er/sie nur diese eine Eigenart verbessern könnte, dann bin ich sicher, können wir auch in einigen Jahren noch glücklich miteinander sein!“

Denn nach der Entscheidung, zusammen bleiben zu wollen, ist das Glück in der Zukunft plötzlich wichtig geworden, wichtiger vielleicht sogar, als die Beziehung jetzt zu genießen.
Man beschäftigt sich deshalb also nicht mehr nur noch mit den angenehmen Seiten des Partners, sondern verstärkt mit den unangenehmen Eigenheiten. Denn die müssen verbessert werden. Und wozu? Damit man auf Dauer zusammen glücklich bleiben kann, natürlich!
Man könnte zwar behaupten, man kenne jetzt seinen Partner einfach besser, sehe ihn realistischer, und deshalb sei man etwas ernüchtert, nicht mehr ganz so verliebt. Aber in Wirklichkeit sind wir doch mit genau demselben Menschen zusammen wie noch vor ein paar Wochen! Nicht er/sie hat sich also geändert, sondern wir! Genauer gesagt, wir haben unsere Wahrnehmung von all den tollen Eigenschaften unseres Partners umgelenkt auf die etwas schwierigeren Aspekte. Und haben deshalb natürlich auch weniger schöne Gefühle miteinander.
Und was machen wir dann? Ist ja klar, den Partner „umerziehen“. Denn das ist ja das Naheliegendste: „Wenn er nur diese eine Sache ändern würde, dann wären wir zusammen bestimmt viel glücklicher!“

Man beginnt also mit dem ganz normalen „Programm“, wie man einen Menschen wirklich ändern kann: Erst bittet man höflich, man bittet sogar mehrfach um eine Änderung, und wenn das nicht hilft, kommen die weitaus „effektiveren“ Maßnahmen. Denn wenn es nicht anders geht, dann halt mit Gewalt! „- Es ist ja nur zu unserem gemeinsamen Besten.“ Denn wenn es im Guten nicht geht, dann greifen wir zu radikaleren Maßnahmen, schon allein deshalb, weil wir keinen anderen Ausweg mehr sehen. Wir machen das natürlich nicht gerne, aber wir haben ja oft das automatische Gefühl, das muss halt jetzt sein. Und jeder hat dabei so seine Lieblings-Maßnahmen.
Man fängt also vielleicht an, beleidigt zu sein oder zu zeigen, wie sehr einen dieses Verhalten verletzt, das der Partner zeigt. Dann sieht er, was er damit anrichtet!
Oder man zeigt, wie sehr einen das alles aufregt. Man wird sogar wütend! Denn dann gibt der Partner bestimmt nach!
Oder man fängt an zu drohen, erst dezent, aber schließlich mit der Aussage: „Wenn Du das nicht änderst, dann kündige ich! Denn dann hat das alles keinen Sinn mehr.“
Oder man führt kleine Bestrafungen ein: „Nein, heute gibt es keinen Sex. Denn wo soll ich meine romantischen Gefühle auch herzaubern? Dein Verhalten macht mir das echt schwer.“
Oder man zieht sich zurück. Denn er/sie wird schon von alleine merken, dass ich ihm/ihr fehle!
Und das alles nur, um die Beziehung zu verbessern! Um abzusichern, dass sie auch in Zukunft noch gut funktionieren kann.

Aber was haben alle diese Maßnahmen gemeinsam? Sie fühlen sich schlecht an! Denn um überzeugend wütend zu sein, muss diese Wut auch echt sein. Und genauso mit all den anderen Gefühlen.
Wir machen uns also unter dem Strich unglücklich, um glücklicher zu werden!
Und das nächste Dumme dabei ist, dass diese Verhaltensweisen meist gar nicht motivierend für unseren Partner sind, sich zu verbessern. Meist bewirken sie etwas ganz anderes: Diskussionen oder gar Streit!
Fazit ist also, alle diese „Erziehungs-Maßnahmen“ sind nicht besonders gut geeignet, unsere Beziehung zu verschönern oder für die Zukunft zu sichern. Im Gegenteil: Sie machen unsere Beziehung erst schwierig!
Trotzdem machen diese Phase die meisten Paare durch, zum Glück nicht permanent, aber immer wieder gibt es Diskussionen, Streit, und neue Kompromisse. Bei den meisten dauert das sogar einige Jahre. Und das muss nicht so sein! Aber bei den meisten Paaren geht das eben so lange, bis man sich entweder in allen wichtigen Beziehungsbereichen miteinander arrangiert hat oder bis man gelernt hat, den Partner zu akzeptieren, wie er ist, denn er lässt sich auf diese Weise schlecht ändern. Mit anderen Worten: Man gibt einfach auf, ihn ändern zu wollen! Und plötzlich kann man wieder eine harmonische Beziehung führen. Aber bis dahin ist das oft „harte Arbeit“! Man hat unendlich viel miteinander abzuklären, wie z.B. die Beziehungs-Ideale. Und oft hat man dann Schwierigkeiten, wo gar keine sind!

So ein Beispiel haben wir auch einmal erlebt: Wir hatten nämlich vor einigen Jahren einmal das Gefühl, dass wir wohl unterschiedliche Vorstellungen von „wahrer Liebe“ haben. Denn Claudia als wahre Romantikerin wollte früher zuerst viel Romantik erleben, bevor sie sich sicher sein konnte, dass „Er“ der Richtige ist. Und Stefan sah das genau umgekehrt: Für ihn war es sinnvoller, sich erst füreinander so richtig zu entscheiden, bevor man zusammen die Romantik genießt. Die Folge davon: Claudia wollte Stefan „anerziehen“, romantischer zu werden, damit sie sicher sein konnte, dass wir gut zusammen passten. Und Stefan hatte dabei das Gefühl, sie hätte sich ja noch gar nicht für ihn entscheiden! Also wollte er im Gegenzug sie „umerziehen“, sich erst einmal zu entscheiden. Denn was bringt all die Romantik, wenn man sich gar nicht sicher miteinander ist, also gar keine tiefe Beziehung miteinander hat? Das hat natürlich zu Beziehungs-Stress geführt, denn beide waren wir unzufrieden mit der Situation. Wir hatten also das Gefühl, unsere Ideale gegeneinander durchsetzen zu müssen. Denn der/die andere war ja das Problem!

Da wir ja etwas Erfahrung mit solchen Gefühlen hatten, hinterfragten wir uns dann, weshalb uns dies alles so wichtig war. Und heraus kam natürlich das, was es meistens ist: Wir wollten beide eine möglichst schöne Beziehung, um sicher zu sein, dass wir auch in Zukunft zusammen bleiben konnten! Und interessanterweise wollten wir beide die selbe Art von Beziehung erreichen: Eine romantische schöne Beziehung, in der man sich klar füreinander entschieden hat.
Das war spannend! Denn wir wollten exakt dasselbe, und hatten nur umgekehrte Taktiken, in welcher Reihenfolge wir das erreichen wollten. Das konnte ja nicht funktionieren!

Also beschlossen wir, lieber miteinander als gegeneinander dieses Ziel umzusetzen. Und siehe da: das funktionierte sofort: Denn wir waren uns ja einig. Wir hatten sofort das Gefühl, dass es zusammen ganz leicht ist, unsere angestrebte Beziehung zu leben. Wir konnten romantisch sein und gleichzeitig das Gefühl haben, uns so richtig füreinander entschieden zu haben. Das war leicht!

Der wesentliche Unterschied war also folgender: Wir wollten miteinander unsere Beziehung verschönern, aber nicht mehr gegeneinander. Und daraus ergibt sich sofort ein anderes Gefühl gegenüber dem Partner: Nicht mehr der Partner war das Problem, sondern wir hatten miteinander ein Problem! Mit diesem Wir-Gefühl („Wir gegen das Problem“) war alles sehr einfach, und wir hatten ja schnell die Lösung gefunden: Wir lebten seitdem möglichst beide Ziele gleichzeitig, denn das ist es ja , was wir in Wirklichkeit wollten.
Dieses Wir-Gefühl schien uns damals eine wichtige Erkenntnis zu sein, denn es machte einen gravierenden Unterschied in unserem Verhalten aus.

Jahre später haben wir auch genau das in einer Studie bestätigt gefunden, in der viele Langzeit-Paare untersucht wurden:
Denn genau dieses Wir-Gefühl macht einen entscheidenden Unterschied. Glückliche Paare hatten meist gelernt, zusammen gegen ihre Probleme vorzugehen, und nicht den Partner als Problem anzusehen. Denn so gibt es weniger Konflikte, und man entwickelt automatisch bessere Lösungen und ein anderes Verantwortungsbewusstsein in der Beziehung: Wenn es mal nicht so gut läuft, wie man es gerne hätte, dann heißt das einfach, dass man etwas dafür tun kann, damit es schöner wird. Oder dem Partner helfen kann, eine Lösung zu entwickeln, wenn ihm etwas schwer fällt. Denn man ist ja ein Team! Und entscheidend für einen schöne Beziehung ist die Teamleistung, und nicht, dass der Partner sich ändern muss. Also kann auch ich schon etwas ändern. Beziehung ist dann ein Wechselspiel, das ich von meiner Seite aus beeinflussen kann. Diese Einstellung führte dazu, dass die Partner sich gerne für die Beziehung einsetzten, in sie investierten. Das Ergebnis war oft ein Gefühl von Fülle in ihrer Beziehung.
Dagegen der Anspruch weniger glücklicher Paare, dass der Partner sich ändern müsse („Denn er ist ja das Problem!“), führte eher zu vielen Konflikten, Vorwürfen und auch Ohnmachts- Gefühlen, nichts an der Beziehung verbessern zu können, da man ja auf den Partner angewiesen sei. Dabei wurde auch eher übersehen, was man selbst alles zu einer schöneren Beziehung beisteuern konnte. Denn das hatte ja eh keinen Sinn! Als Folge dieser Einstellung gab es eher ein Gefühl von Mangel in der Beziehung.

Deshalb lautet unser Glückstipp diesmal: Stärken wir unser Wir-Gefühl!

Lassen wir nicht zu, unseren Partner als „das Problem“ zu empfinden, sondern gehen wir lieber Hand in Hand für eine bessere Beziehung. Denn so fällt uns vieles leichter, wir entwickeln schneller Lösungen, wir fühlen uns besser dabei, und viele Konflikte lösen sich (wie in unserem Beispiel) gleich von alleine auf! Wenn wir Beziehungen eher als Wechselspiel sehen, in dem es um die beste Teamleistung geht, und nicht mehr darum, gegen den Partner zu gewinnen, haben wir die besten Chancen zu den besonders glücklichen Paaren zu gehören. Sogar, wenn unser Partner das noch nicht erkannt hat! Denn ich gehe ja auch dann in ein viel positiveres Wechselspiel mit ihm, und werde deshalb positivere Reaktionen zurückerhalten.

Dieses Prinzip mit dem Wir-Gefühl gilt übrigens nicht nur in Paarbeziehungen, sondern genauso in Freundschaften, für den Umgang mit Kollegen, Familienmitgliedern, etc. Also bei allen Menschen, mit denen mich eine Art von Beziehung verbindet.
So, damit haben wir also das größte Geheimnis glücklicher und erfolgreicher Beziehungen verraten: Sie alle werden Meister im Wir-Gefühl! Sie versuchen selber so glücklich wie möglich zu sein und dieses Glück in die Beziehung zu tragen, anstatt das Glück vom Partner zu fordern. Und sie sehen selbst den Gewinn für die Beziehung, wenn sie ihr Bestes in die Beziehung hinein geben. Denn im Wir-Gefühl hat man schon gewonnen: Bessere Aussichten auf eine gut funktionierende Beziehung und vor allem ein viel schöneres Gefühl zum Partner!

In diesem Sinne: Viel Spaß beim Ausprobieren! 

Alles Liebe,
Claudia und Stefan

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